Karfreitag – eine Zumutung

Karfreitag ist eine Zumutung.

Der Karfreitag ist eine Zumutung für jeden vernünftigen Menschen. Ein jeder Mensch hat doch das Recht, sein Leben nach seiner Fasson so zu leben, wie er es leben möchte.  Und da kann es doch nicht angehen, dass ein Mensch in dieser Freiheit beschnitten wird.

Die Fähigkeit des Menschen, Entscheidungen eigenverantwortlich zu treffen, wird an Karfreitag in Frage gestellt. Dabei kann man die Fähigkeit der Menschen, verantwortlich mit sich selbst, seiner Umwelt und seinen Mitmenschen umzugehen, eigentlich an jedem Tag des Jahres in Frage stellen.

In diesen Wochen nach Fukushima ist es doch zum wiederholten Male deutlich geworden, dass kein Mensch (und auch kein Zusammenschluss von Menschen) weder in Politik noch in Wirtschaft tatsächlich Verantwortung für so eine Katastrophe übernehmen kann. Denn um Verantwortung wahrzunehmen, muss man überhaupt erstmal in der Lage sein, regulierend auf ein Geschehen eingreifen zu können. Das ist in Fukushima doch gar nicht möglich.

Nun hat, Gott sei dank, nicht jeder Mensch Verantwortung für Geschehnisse, die die Tragweite von Fukushima haben.

Aber dann mal andersrum gefragt: Für welche Art von Geschehen kann ein Mensch, denn Verantwortung übernehmen? Wieviel Schuld kann denn ein Mensch (er)tragen?

Für mich kann ich sagen: bei mir funktionieren die normalen Methoden, um mit eigener Schuld umgehen zu können, auch recht gut: Verleugnen, Verdrängen, Projektion auf Andere und natürlich das Verändern der eigenen Maßstäbe nach unten.

Jedenfalls bis zu einem gewissen Maß. Denn in schöner Regelmäßigkeit wird mir der Sack der Schuld zu schwer. Und ich bin dann aus tiefstem Herzen dankbar, dass es dann jemandem gibt, der mir die Last abnimmt. Dass dies so ist, verdanke ich einem Karfreitag vor gut 2000 Jahren.

Am Tod Jesu und seiner Auferstehung zu Ostern würde auch die Abschaffung von Karfreitag als „Stillem Tag“ nichts ändern.

Aber genausowenig wird damit das Leid in der Welt und die Schuld der Menschen abgeschafft. Leid und Schuld bleiben. Sie verschwinden nur aus der Öffentlichkeit und werden immer mehr zur Privatsache.

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Ein Gedanke zu „Karfreitag – eine Zumutung

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