1. Sonntag nach Epiphanias

Von dem chinesischen Philosophen stammt das Zitat:

„Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel“
Denn es sind oft nicht die großen Dinge, die einen Menschen zu Fall bringen, sondern die kleinen Fehler.
So wie Goliath von einem Stein getroffen wurde und ins Wanken geriet, so stolpert dieser Tage wieder einmal eine wichtige politische Persönlichkeit über einen äußerst dummen selbst verantworteten Fehler.

Und vielleicht ist es noch nicht einmal dieser merkwürdige Kredit selber, der dazu führt, dass unser Bundespräsident Christian Wulff an Ansehen verliert, sondern der Umgang mit seiner Aufdeckung.
Das Nicht-Eingestehen-Wollen eines Fehlers.

Auch einem anderen Politiker wird vor allem angekreidet, dass er seine eigene Schuld nicht eingesteht und sich nicht zur Verantwortung bekennt.
Und so wird es am 12. Februar in Duisburg zu einer Abstimmung darüber kommen, ob der Oberbürgermeister Sauerland noch im Amt bleiben kann, oder nicht.

Und wieder einmal zeigt es sich, dass auch mächtige und auch wirklich kluge und erfahrene Menschen manchmal furchtbar dumme Dinge tun.
Leute, von denen man glaubt, sie müssten es doch besser wissen, machen Anfängerfehler.

Leute, die Jura studiert haben, lassen sich beim Abschreiben erwischen.

Im Predigttext von heute geht es auch um Weisheit und Torheit. Allerdings um Weisheit und Torheit aus Gottes Sicht.

Der Apostel Paulus schreibt folgendes in seinem 1. Brief an die Gemeinde in der Stadt Korinth:

„Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung.
Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen.
Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt,
damit er die Weisen zuschanden mache;
und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt,
damit er zuschanden mache, was stark ist;
und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt,
das, was nichts ist,
damit er zunichte mache, was etwas ist,
damit sich kein Mensch vor Gott rühme.
Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus,
der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung,
damit, wie geschrieben steht:
»Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!«“

Wir sind natürlich allesamt klüger als die Herren Wulff, Sauerland und Guttenberg.
Uns würde so etwas nie passieren.
Nein natürlich nicht!
Nein, da können wir herzhaft drüber lachen.

Wir wissen schon um unsere Fehler,
und wir kennen unsere Schwächen, die wir nur schwer ablegen können.
Ja manche Schwächen ärgern uns unglaublich!

Der Eine erscheint überall erst auf den letzten Drücker und wäre doch so gerne mal 5 Minuten vor der Zeit da.

Der Nächste würde gern viel mehr geschafft bekommen, und ärgert sich, dass er nie mit seiner Arbeit fertig wird, sondern die unerledigten Aufgaben gehen ihm noch bis tief in die Nacht nach.

Und der dritte hätte es so gern einfach mal friedlich und harmonisch. Aber nein, immer gibt es irgendetwas, das Unruhe reinbringt und für Konflikte sorgt.

Da ist etwas in uns, das uns nur schwer Ruhe finden lässt.
Und uns unzufrieden macht, obwohl wir eigentlich keinen Grund dafür haben.

Psychologen beschäftigen sich immer wieder damit herauszufinden, was uns Menschen antreibt.
Was es ist, das uns Menschen so handeln lässt, wie wir handeln.
Auch wenn es manchmal von außen gesehen unlogisch oder sogar merkwürdig ist.

Man hat herausgefunden, dass wir Menschen innere Glaubensätze haben.
Glaubenssätze, die unsere Handlungen bestimmen und uns Ziele vorgeben.
Glaubenssätze, bei denen es nicht um Gott geht, sondern wo es darum geht, wie wir uns selber sehen.
Einstellungen, die wir gar nicht bewusst wahrnehmen., sondern die ganz tief in uns verankert sind.
Und die wahrscheinlich schon aus frühester Kindheit stammen.

Ich habe mal einen kleinen Test mitgebracht.
Einen Test, bei dem Sie alle für sich mitmachen können.
Einen Test, bei dem Sie vielleicht, in aller Vorläufigkeit und Kürze, sich selber entdecken.

Ich mache das so:
Ich lese ein paar Aussagen vor und sie können ganz für sich überlegen, ob Sie diesen Aussagen zustimmen.

Ich fange mal an:
Die ersten Sätze lauten:

o    Wenn ich eine Arbeit mache, dann mache ich sie gründlich
o    Ich habe Mühe, Leute zu akzeptieren, die nicht genau sind.
o    Ich sollte viele Aufgaben noch besser erledigen.
o    Ich versuche Erwartungen, die an mich gestellt werden, zu übertreffen
o    Ich kümmere mich persönlich auch um nebensächliche Dinge

Wenn Sie sich in diesen Sätzen wiedergefunden haben, dann ist es wahrscheinlich, dass Sie an sich die Erwartung  haben, perfekt zu sein.
Wahrscheinlich sind Sie überaus zuverlässig und genau. Sie sind geduldig und planen gern im Vorfeld.

Ich habe noch andere Aussagen. Schauen Sie mal, ob Sie sich darin wiederfinden.
o    Ich fühle mich verantwortlich, dass diejenigen, die mit mir zu tun haben, sich wohlfühlen
o    Ich versuche oft herauszufinden, was andere von mir erwarten, um mich danach zu richten.
o    Bei Diskussionen nicke ich häufig mit dem Kopf
o    Es ist mir unangenehm, andere Leute zu kritisieren
o    Ich bin diplomatisch

Wenn Sie diesen Aussagen zustimmen können,
ist es wahrscheinlich, dass Ihr innerer Grundsatz lautet:
„Mach es allen Menschen recht“
Sie sind Hilfsbereit und ausgleichend. Kompromissfähig und können gut im Team arbeiten.

Und ein letztes noch:
o    Ich habe eher eine harte Schale, aber einen weichen Kern.
o    Ich löse meine Probleme selbst
o    Für dumme Fehler habe ich wenig Verständnis
o    So schnell kann mich nichts erschüttern
o    Meine Devise heißt „Die Zähne zusammenbeißen“

Wenn Sie sich darin wiedergefunden haben, dann ist es wahrscheinlich dass ihr innerer Glaubenssatz „Sei stark“ lautet. Dann sind Sie durchsetzungsstark und konsequent. Und sie geben Anderen Sicherheit und Geborgenheit.

Es ist ja immer sehr spannend mit solchen Tests etwas über sich herauszufinden!

(BTW: Unter http://www.die-coachin.de/antreiber.pdf kann man den vollständigen Test finden)

Darüber, wie man selber tickt, und was einen so handeln lässt, wie man es tut.

Wie eben diese Glaubenssätze, die wir so verinnerlicht haben, dass sie unser Handeln bestimmen, ohne dass es uns bewusst ist. Die uns dazu bringen, hohe Leistungen zu erbringen.
Die uns antreiben besser zu werden.
Voranzukommen und Anerkennung zu bekommen.

Für die Produktivität eines Unternehmens ist es sicherlich gut, Menschen zu haben, die 100% genau sind, in dem was sie tun.
Und für manche Familien funktionieren nur deshalb, weil einen oder EINE gibt, die es allen recht macht.
Und manche Arbeitsbedingungen können nur von Leuten ertragen werden, die gelernt haben, die Zähne zusammenzubeißen.

Aber genau diesem Höchstmass an Produktivität und Leistung und Harmonie setzt Gott ein klares NEIN entgegen.
Nicht auf die Perfekten, die Starken, die Guten dieser Welt setzt Gott.

Sondern auf die Schwachen, die Unvollkommenen, die Törichten.

„Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt,
damit er die Weisen zuschanden mache;
und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt,
damit er zuschanden mache, was stark ist;
und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt,
das, was nichts ist,
damit er zunichte mache, was etwas ist“

Und damit meint er genau uns.
Wir sind nicht die Starken, Klugen, Weisen.
Auch wenn wir es gerne wären und uns alle Mühe der Welt geben, so zu erscheinen.

Wir sind damit gemeint.
Gott will uns nicht mit unseren klugen Argumenten.
Unserem souveränen Auftreten.
Und der jahrelangen Erfahrung.

Denn eine kluge und gewitzte Entscheidung, wie sich einen günstigen Kredit für einen Hauskauf zu beschaffen, kann sich als absolut dämlich und verantwortungslos entpuppen, und zu einer Fallgrube für eine ansonsten tadellose Karriere werden.

Sondern Gott will uns so wie wir sind,
mit dem, was wir NICHT können,
mit unserer Unsicherheit, mit unseren Zweifeln.

Wir müssen uns nicht auf uns selber verlassen!
Nicht auf unsere Klugheit, die manchmal zu kurz denkt.
Nicht auf unsere Perfektion, die manchmal erbarmungslos ist.
Und nicht auf unser Prestige, das durch eine offengelegte Lüge ruiniert werden kann.
Wir müssen nicht alles allein schaffen.

Wir können uns Gott anvertrauen.
Zugeben, dass wir nicht weiter wissen.
Uns eingestehen, dass wir Hilfe brauchen.
Dass wir nicht alles im Griff haben.
Und Gott um Seine Hilfe bitten.
Und abwarten was passiert!

Und der Friede Gottes, der größer ist als all unsere menschliche Vernunft bewahre unsere Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen

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