19. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Gemeinde,
ist Ihnen eigentlich auch aufgefallen, wie viele Biografien zur Zeit auf dem Markt sind?
Ganz neu und aktuell sind die Biografien von Steve Jobs und Loriot erschienen.
Auf den Bestsellerlisten ganz oben sind die Autobiografien von Helmut Schmidt und, man höre und staune, Daniela Katzenberger,
Aber auch Karl Theodor zu Guttenberg und Margot Kässmann meldet sich mal wieder zu Wort.

Erinnerungen an das grade mal 20 Jahre dauernde Leben von Lena Meyer-Landrut stehen neben den Memoiren Richard von Weizsäcker.
Und Guido Westerwelle neben Dieter Bohlen.
Auch Volker Lechtenbrink und Andre Agassi haben auf ihr Leben zurück geschaut und natürlich die beiden aus Funk und Fernsehen bekannten Größen:
Helmut Kohl und Clint Eastwood.

Beim Anblick von so vielen Biografien und Lebenserinnerungen, da habe ich mich gefragt, wie es wohl gewesen wäre, wenn Jesus seine Autobiografie geschrieben hätte. Wie sie wohl heissen würde:
Vielleicht „Zug um Zug“ Schachspielen mit Simon Petrus.

Oder „Sei schlau, stell dich dumm“ vom Umgang mit Pharisäern und Schriftgelehrten.

Aber am wahrscheinlichsten ist doch, dass seine Autobiografie aus einem einzigen Satz bestünde:
„Habe keine Zeit zu schreiben. Draußen vor der Tür stehen viele Menschen und brauchen Hilfe.“

Zum Glück für die Nachwelt gab es damals Menschen, die begriffen hatten, wie wichtig es ist, das Leben von Jesus Christus aufzuschreiben und sich die Mühe gemacht haben, seine Biografie für uns festzuhalten.

Die Menschen heißen Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
Und wir nennen sie heute „Evangelisten“.

Und aus dem aller ersten Buch, dass über Jesus und sein Leben geschrieben wurde, nämlich aus dem Evangelium von Markus, und aus dem ersten Kapitel daraus, stammt der Text, der heute Predigttext ist.
Also mit die ersten Erinnerungen eines Zeitzeugen von Jesus:
Ich lese:

„Am Abend aber, als die Sonne untergegangen war,
brachten sie zu Jesus alle Kranken und Besessenen.
Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür.
Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren,
und trieb viele böse Geister aus und ließ die Geister nicht reden; denn sie kannten ihn.
Und am Morgen, noch vor Tage,
stand er auf und ging hinaus.
Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.
Simon aber und die bei ihm waren, eilten ihm nach.
Und als sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm:
Jedermann sucht dich.
Und Jesus sprach zu ihnen:
Lasst uns anderswohin gehen,
in die nächsten Städte,
dass ich auch dort predige;
denn dazu bin ich gekommen.
Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die bösen Geister aus.“

Ja, so könnte eine Biografie von Jesus aussehen:
In diesen wenigen Zeilen ist doch schon ganz viel von dem enthalten, was Jesus ausmacht.

An Hand eines schlichten Tagesablaufs wird uns vor Augen geführt, wer und vor allem wie Jesus war.
Und an Jesus können wir sehen wie Gott ist!

Und ich habe für mich 3 Kernaussagen aus diesem Text herausgefunden, die ich mit Ihnen teilen möchte:

Die erste ist diese:
Gott kann gar nicht anders, als uns Menschen zu helfen!

Ich möchte mal mit ihnen schauen, inwieweit dieser Text genau dies aussagt:

Markus lässt diese Beschreibung am Abend beginnen.
Dazu muss man wissen:
Für die Juden beginnt ein neuer Tag nicht wie bei uns morgens oder um Mitternacht, sondern mit dem Abend, genauer gesagt mit dem Sonnenuntergang.
Und so wird hier beschrieben, dass Jesu Tag damit begann, dass das Haus, in dem er sich aufhielt, von einer Menschenmenge belagert war.

Wie kam es dazu?
Nun, es war noch ganz zu Beginn seines Wirkens.
Jesus hatte gerade erst damit begonnen Jünger zu sich zu rufen. Simon Petrus war einer davon. Und dieser, Simon Petrus, hatte eine Schwiegermutter, die krank war.
Und Jesus hatte sie gesund gemacht.
Das war in diesem kleinen Ort Kapernaum nicht verborgen geblieben.
Und überhaupt hatte Jesus schon vorher durch mitreißende Predigten von sich reden gemacht.
Und so blieb es nicht aus, dass Menschen aus der ganzen Stadt ihre kranken Angehörigen zu Jesus brachten und ihn baten, ihnen zu helfen.

Haben sie Jesus wirklich gebeten?
Hier im Text steht nichts davon:

Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür.
Und er half vielen Kranken,

So wie Markus es beschreibt, war es auch gar nicht nötig.
Jesus sah die vielen Kranken und half ihnen. Punkt.
Er muss nicht gefragt werden, die Kranken brauchen nicht zu bitten oder betteln.
Jesus packt an.

Als wäre es Alltag für ihn, Normalität.
Ich schätze, dass kennen einige Menschen hier,

z.B. die mal in der Pflege gearbeitet haben.
im Krankenhaus, oder Altenheim.
Aber auch im ganz normalen Arbeitsalltag
Wenn die Aufgaben besonders groß sind und von allen Seiten Anforderungen auf einen einprasseln, dann schaltet sich manchmal so eine Art Autopilot ein.
Alles Unwesentliche wird ausgeblendet,
der Focus geht ganz auf das,
was grad am Wichtigsten ist.
Und konzentriert wird ein Schritt nach dem Andern alles erledigt, was getan werden muss.

Jesus handelt.
Er hilft und heilt die Menschen von ihren Gebrechen.
Er heilt die Menschen, weil er nicht anders kann.
Und da ist es ganz egal, dass die ganze Stadt draußen vor der Tür versammelt ist und seine Hilfe braucht.
Es wird nicht erwähnt, ob Jesus darüber erstaunt ist oder erschrocken, angesichts der großen Menge leidender Menschen.
Er wird es geahnt, gewusst haben.

Und ich bin mir sicher, er wird sich auch danach gesehnt haben, endlich helfen zu können!

Am letzten Sonntag haben wir von Jesu Versuchung durch den Teufel gehört.
Und davon wie Jesus gelockt wurde, mit Macht, Ruhm und Besitz.
Ich glaube, der Teufel war dumm, denn er ging nur von seinen Wertmassstäben aus.
Der Teufel hat Jesus schlicht und ergreifend das Falsche angeboten.
Geld, Karriere und Prestige sind nicht das, was Jesus locken könnte.

Denn ich glaube die wahre Versuchung für Jesus wäre folgende gewesen:
Alle Menschen auf der Erde werden auf der Stelle gesund und glücklich.

Alle Menschen auf der Erde werden auf der Stelle gesund und glücklich.

Ich denke:
Das wäre ein Angebot gewesen, das Jesus mit sehr schwerem Herzen abgelehnt hätte.

Oft können wir in den Evangelien lesen, dass es Jesus beim Anblick eines Kranken „Jammert“.
Dass er mit einem Menschen mit-leidet und das Bedürfnis hat, ihm zu helfen.
Und so kann Jesus nicht einfach zu Bett gehen und nach einem anstrengenden Tag schlafen gehen.
Er lässt die Menschen zu sich kommen und kümmert sich um sie. Er kann nicht anders.
Und so wie Jesus nicht anders kann, das gilt auch für Gott!

Er wartet nur darauf, dass wir uns vor seine Tür stellen.
Wir brauchen noch nicht mal anzuklopfen.
Gott wartet ungeduldig darauf, dass wir ihn um Hilfe bitten!
Ganz gleich, was es ist!

Vielleicht beten wir oft zu Gott. Vielleicht beten wir für große und wichtige Dinge.
Ich kenne Menschen, treue Christen, die sich, wo sie nur können für andere einsetzen. Und die inbrünstig für Andere beten, die aber davor zurückschrecken auch mal für ihre eigenen Belange zu beten. Die es peinlich fänden, und egoistisch, Gott um etwas für sich selbst zu bitten.

Doch genau das tun die Menschen in der Geschichte, und Jesus hilft ihnen.
Diese Geschichte ist eine Einladung an uns:
Gott will, dass wir uns mit allem, was wir brauchen an ihn wenden!

Ich bin jetzt ein wenig hin und hergerissen.
Wenn man Gebetserhörungen erzählt, dann kann das schnell so aussehen, als wäre Gott eine Art Wunscherfüllungsautomat. Und das ist er nicht.
Aber ich möchte trotzdem einen kleinen Auszug geben von dem, was sich durch das Gebet in meinem Leben verändert hat.
Ich habe einen wichtigen Brief wiedergefunden,
bin unfall- und staufrei lange Strecken gefahren,
habe neue Ideen, bekommen, Gelassenheit, Geld und eine neue Arbeitsstelle.
Also beten, und sich von dem, was passiert überraschen lassen!

Aber ich hatte ja noch eine zweite Entdeckung gemacht:

Wie geht Jesu Tag denn weiter:
Nun, er sucht einen ruhigen Ort auf, um dort zu beten.
Und wird auch dort gestört.
Seine eigenen Jünger kommen und sagen zu ihm:
Jedermann sucht dich!
Und man kann richtig die Aufregung der Jünger spüren:
Wo bleibst du?
Die Leute rufen nach dir und du bist nicht das!
Lässt du sie und uns jetzt im Stich?
Jetzt komm endlich und mach weiter!

Aber Jesus hat einen anderen Plan:
Er will weiter wandern, andere Orte aufsuchen, noch mehr Menschen erreichen. Und er will predigen. Er will den Menschen etwas geben, was sie auch dann trägt, wenn er schon wieder weitergezogen ist.

Und so geschieht es auch:
Er zieht mit seinen Jüngern durch das ganze Land.
Er hilft den Menschen, er heilt Krankheiten und vertreibt die bösen Geister, die einen Menschen in Besitz nehmen können,
und er spricht zu den Menschen und auch dies ist seine Herzensaufgabe.
Er will die Herzen der Menschen erreichen.
Er bietet den Menschen seine Liebe an und spricht die Menschen darauf: Sie sollen diese Liebe annehmen und sich ganz darauf verlassen.
Ganz darauf einlassen.
Wir Menschen sollen nicht mehr zweifeln und nur auf unsere eigene Kraft vertrauen!
Wir sollen frei werden von den Sachzwängen des Alltags, die unser Leben bestimmen und einengen.
Man könnte jetzt sagen, ja die Wunder und Heilungen, die Jesus dort vollbracht hat, dass sind alles Zeichen dafür dass man Jesus vertrauen kann.
Aber ich weigere mich zu glauben, dass Jesus Wunder vollbracht hat, um seine Vollmacht zu beweisen.

Für Jesus ist beides eines.
Es sind zwei Seiten von einer Medaille:
Es gibt für ihn keinen Unterschied zwischen Tun und Verkündigen. Und er macht keinen Unterschied zwischen praktischer Hilfe und seelischer Unterstützung.

So selbstverständlich wie er sich um das körperliche Wohl eines Menschen kümmert, genauso selbstverständlich ist auch seine seelische Gesundheit.

Manchmal erleben wir Ärzte oder Krankenschwestern, die uns mit beidem wahrnehmen, mit unserem Körper und seinen Unzulänglichkeiten und mit unserer Seele und deren Unzulänglichkeiten.
Dafür gibt es auch ein Wort:
„Ganzheitlich“ sagt man dazu
Da merken wir wie wohltuend es ist, als ganze Person wahrgenommen zu werden und nicht nur auf unsere Krankheiten und Symptome reduziert zu werden.
Jesus tut genau das.
Und an Jesus können wir Gott sehen.

Aber für Gott gehört beides zusammen:
Das seelische Wohl und das körperliche Wohl.
Jesus hat sich um beides gleichermaßen gesorgt:
Und

Eines fehlt jetzt noch:
Der Zwischenpart, der beides verbunden hat:
Nachdem Jesus in Kapernaum viele Menschen geheilt hatte, und bevor er weiterwanderte, ging er an einen stillen Ort um:
zu beten.

Das, was unser Leben ins Lot bringt, ist das Gebet.

Wenn unsere menschlichen Bedürfnisse zu viel Raum einnehmen und wir mit unserem Schicksal hadern, dann sind es Gebet und Meditation, die uns dabei helfen, die Dinge aus dem richtigen Blickwinkel heraus zu sehen.

Und umgekehrt, wenn wir unsere Seele sich verirrt hat in Groll oder Missgunst, in Kleinlichkeit und Anstellerei, dann wird es Zeit Gott Zeit zu geben, in der er unsere Gedanken sortieren kann und unsere Gefühle mit aushält.
Damit wir wieder ins Gleichgewicht kommen.
Damit wir Erfüllung haben, auch wenn nicht alles so läuft, wie wir es uns wünschen würden.

Abschließend möchte ich noch sagen:
Natürlich sind die Evangelien im Neuen Testament mehr als eine Biografie.
Denn es ist nicht nur Jesu Leben und seine Liebe für die Menschen, die ihn besonders macht.

Die volle Bedeutung Jesu zeigt sich uns zu Ostern. Dann wenn Jesu auch noch die allerletzte Mauer zwischen Gott und Menschen niederreißt und dafür sorgt, dass uns keine Sünde mehr von Gott trennen kann.

Dennoch ist es gut und wichtig, sich anhand von einem kleinen Abschnitt aus Jesu Leben eines in Erinnerung zu rufen:

Bei Jesus ist alles eins:
von Gottes Liebe reden und sie zu leben.
Und: Wir können von Gott Großes erwarten.
Hilfe und Unterstützung im praktischen Leben
Genau wie Ruhe und Frieden für unsere Seelen.

Und der Friede Gottes, der größer ist, als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen

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