8. Sonntag nach Trinitatis

Was ist ein Prophet?

Vielleicht jemand, der in die Zukunft schauen kann? Jemand, der weiss, wie es in 5, 10 oder 100 Jahren aussehen wird!Jemand, der die Zeichen der Zeit deuten kann und entsprechende Schlüsse zieht? Jemand, der andere vor den Folgen des Handelns warnt?

Ist es jemand, der sich nicht scheut, seine Meinung zu sagen, ganz ungeachtet davon, ob sie willkommen ist oder nicht?

Moderne Propheten wären dann vielleicht Ai weiwei, der chinesische Künstler oder Aung san su kyi, die Nordkoreanische Friedensnobelpreisträgerin.

Aus der Geschichte fallen uns bestimmt noch andere ein: Martin Luther King, Nelson Mandela, Mahatma Gandhi, ja auch Martin Luther.

Menschen, die Unrecht sahen und kompromisslos dagegen eintraten, und damit den Mächtigen der Welt auf die Füsse traten, ja gefährlich wurden.

In der Geschichte Gottes mit den Menschen gibt es viele Propheten: Mose, Elia und Elisa, Jesaja und Jeremia, Deborah und Hannah, Samuel und Simeon. Und noch viele mehr.

Propheten, die immer wieder genau dies taten:

Den Finger an die wunde Stelle des Systems legten. Die nicht scheuten, Kritik an den Mächtigen in Israel und Juda zu üben.  Die aber auch nicht davor zurückschreckten, auch dem Volk die Meinung zu sagen.

Es gab Propheten, die vor allem die sozialen Missstände anprangerten. Die gerechtes und gutes Verhalten gegenüber den Schwächeren im Land einforderten.  Es gab Propheten, die davor warnten Reichtum und Macht zu vergöttern und anzubeten.  Allen gemeinsam war, dass sie unmittelbar Gottes Wort weitergaben.

Sie hatten von Gott eine Botschaft bekommen. Und sie könnten nicht anders, sie mussten sie weitergeben.  Auch wenn sie sich ihre Aufgabe nicht selber ausgesucht hatten. Sie konnten sich dem Ruf Gottes nicht entziehen.  So kennen wir es von Jona, der lieber weglief und sich dann sogar im Bauch eines Walfisches wiederfand, um nicht  ein Prophet Gottes zu werden.

Propheten sind Mahner. Sie sind Kritiker und Protestierende.

Und sie sind Visionäre.

Oftmals sind die Vision düster und schwer. In der Geschichte Israels sagen sie vielfach den Untergang der Reiche Israel und Juda voraus. Die Zerstörung Jerusalems. Die Vernichtung des Tempels. Den Verlust des Landes. Das Exil. Die Gefangenschaft im Reich des Perserkönigs.

Doch es wäre verfehlt die Aufgabe der biblischen Propheten nur darin zu sehen, zur Umkehr zu rufen und düstere Vorhersagen zu machen.

Gott selber ist es, der durch die Propheten spricht. Und eben dass er zu den Menschen redet, ist immer wieder ein Zeichen, dass er es gut meint mit den Menschen.  Er schickt immer wieder Propheten zu den Menschen, damit seine Botschaft weitergegeben wird.

Es ist ihm NICHT egal, wenn die Menschen auf dem falschen Weg sind. Er sucht sich immer wieder Menschen, durch die er spricht, damit das, was er will ankommt!

Da ist er wie ein Vater, der immer wieder mit seinem Kind schimpft und ihm ins Gewissen redet, auch wenn das Kind immer wieder den gleichen schweren Fehler macht.

Gott gibt die Menschen nicht auf. Er zuckt nicht mit den Schultern und sagt: „Ach was soll’s, die hören ja sowieso nicht zu.“  Sondern er schickt immer wieder Boten los.

Und seine Botschaft ist immer das, was die Menschen brauchen. Oftmals Kritik und Klage.  Und doch auch immer wieder ein Trostwort. Eine Vision voller Schönheit. Verheißungen von Frieden und Glück. Prophezeiungen von Gerechtigkeit und Versöhnung.

Eine dieser Verheißungen ist der heutige Predigttext aus dem 2. Kapitel des Buches des Propheten Jesaja.

Diese Verheißung spricht genau in eine Zeit hinein, in der es dem jüdischen Volk schlecht ging. Ein jahrzehntelanger Krieg hatte es aufgerieben. Der Gegner hatte gewonnen. Sie waren besiegt und mussten alles aufgeben, was ihnen wichtig war. Der Tempel, der Ort an dem sie Gott finden könnten, wurde niedergerissen.  Ihr Stolz, die Stadt Jerusalem wurde zu Schutt und Asche. Und alle Menschen mit Ansehen und Verstand wurden als Gefangene abgeführt.

Israel lag am Boden. Es gab keine Hoffnung mehr für das Volk.  Und die Menschen klagten ihr Leid zu Gott. Sie fragen: Soll das etwa alles sein? Wie wird es weiter gehen? Worauf läuft das alles hinaus? Im Psalm 79 heisst es:

„Gott,

Nationen sind in dein Erbe eingedrungen, haben deinen heiligen Tempel entweiht, Jerusalem zum Trümmerhaufen gemacht.

Sie haben die Leichen deiner Diener den Vögeln des Himmels zum Fraß gegeben, das Fleisch deiner Getreuen den Tieren des Feldes.

Sie haben ihr Blut vergossen wie Wasser rings um Jerusalem, und niemand hat sie begraben.

Wir sind zur Schande geworden vor unseren Nachbarn, zu Spott und Hohn bei denen, die rings um uns wohnen.

Wie lange, HERR – willst du immerfort zürnen? Soll wie Feuer dein Eifer brennen?“

Und Gott antwortet.

Er zeigt dem Propheten Jesaja, was er, Gott, vorhat mit dem Volk Israel!

Und was Jesaja sah, davon wird hier erzählt:

 „Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem:

In fernen Tagen wird der Berg des Hauses des HERRN fest gegründet sein,

der höchste Gipfel der Berge und erhoben über alle Hügel, und alle Nationen werden zu ihm strömen, und viele Völker werden hingehen und sagen:

Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns in seinen Wegen unterweise und wir auf seinen Pfaden gehen!

Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem. Und er wird für Recht sorgen zwischen den Nationen und vielen Völkern recht sprechen.

Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden und ihre Speere zu Winzermessern

Keine Nation wird gegen eine andere das Schwert erheben, und das   sie nicht mehr lernen.

Haus Jakob, kommt und lasst uns gehen im Licht des HERRN!“

 

Eine Vision ganz anderer Art. Eine Vision, die weit hinausreicht über die Geschicke des jüdischen Volkes. Eine Vision, welche die ganze Welt und alle Menschen auf ihr einbezieht.

Aber wie sollen wir sie heute verstehen? Und da frag ich mich: Ist die Situation heute wirklich so anders als damals?

Unsere Städte sind nicht verwüstet. Zumindest nicht in Deutschland.  In England brannten in den letzten Wochen ganze Straßenzüge. Aus dem Protest gegen Unrecht und Diskriminierung wurde in wenigen Tagen Chaos und Mord.

In Ostafrika verhungern in diesen Tagen 100.000e Menschen. Gründe dafür sind vielfältig: Missernten nach einer langen Dürre, profitorienterter Handel mit Getreide, Machtspielchen der Herrschenden und langjährige Bürgerkriege.

Und die Schlagzeilen werden davon bestimmt, dass die USA bei Ratingagenturen nicht mehr das beste Ergebnis erzielt. Und sich nun die Welt wieder vor einer Wirtschaftskrise fürchtet.

Man könnte verzweifeln. Man könnte mutlos werden. Und wir fragen, genau wie vor 2500 Jahren die Israeliten:

Soll das etwa alles sein? Wie wird es weiter gehen? Worauf läuft das alles hinaus? Doch auch uns gilt das, was der Prophet Jesaja voraussieht. Heute würde man es vielleicht anders formulieren. Heute würde es dann so klingen:

„Das ist es was Jesaja der Sohn des Amoz sah:

Schon bald da wird es so sein: Gott wird sich hier auf der Erde niederlassen. Und er wird hier bleiben und nie wieder weg gehen. Und man wird ihn schon von weitem sehen können, denn er wird zum Mittelpunkt der Welt.

Und alle Menschen dieser Welt, sie werden die Fesseln ihre Religionen abwerfen und von alleine zu Gott gehen. Alle Menschen, egal welche Rasse oder Herkunft, egal wie reich oder arm.

Ob Männer, ob Frauen, ob Kinder, ob alte Menschen. Sie alle werden sehen, dass es Gott ist, der dort für immer Platz genommen hat.  Und sie werden alle dorthin strömen, weil sie wissen, dass dort der Mittelpunkt ihres Lebens ist.

Weil sie dort von Gott in ein Leben gesetzt werden, in dem alles im Lot ist.  In dem alle ihre Beziehungen zu ihren Freunden, zu Familie, zu anderen Menschen,  gerade gerückt werden. Alle Verstimmungen und jeder Streit wird aus dem Weg geräumt. Alle Verletzungen werden geheilt. Jeder Schaden ausgeglichen.

Und Gott selber wird dafür sorgen, dass alles so geschieht, wie er es will. Gott selber wird seine Botschaft ausbreiten bis in den hintersten Winkel der Welt.

Überall werden die Menschen so leben, wie Gott es schon vor langer Zeit für sie gewünscht und gedacht hat.

Die Menschen werden endlich ihren Platz in Gottes Schöpfung einnehmen. Nicht zu groß und nicht zu klein. Genau den richtigen Platz, an dem sie glücklich leben können.

Und in allen Staaten der Erde, allen Demokratien und Diktaturen ,  allen Königreichen und Fürstentümern werden die Grenzen abgeschafft und vergessen.

Und alle Waffen, alle Panzer und Geschütze, alle Minen und Bomben, verrosten und verrotten, weil keiner es mehr nötig hat, einen anderen Menschen zu unterdrücken oder zu töten.

Und es wird kein Mensch mehr Hunger leiden. Kein Kind wird mehr an Unterernährung sterben.

Kein Mann wird wegen seines Glaubens verfolgt werden. Keine Frau mehr für den Gewinn eines Anderen schuften müssen.

Und es gibt keine Tränen, keine Trauer und keinen Schmerz mehr. Nie mehr!  Auch wenn die Welt wie wir sie kennen, eine andere ist. So wird es einmal sein!

Kommt und lasst uns schon heute so leben, als wäre das alles bereits wahr!

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