Ein Gutschein von Gott

Ich habe euch etwas auf die Plätze gelegt. Ihr könnt das jetzt mal auf machen. Was ist drin?  Ein Gutschein!

Schön und voller Verheißung Dieser hier gilt für eine Tasse Kaffee oder Tee. Vielleicht habt ihr zuhause noch andere Gutscheine. Sehr beliebt sind Gutscheine für ein Frühstück , oder für einen Saunabesuch. Manch einer hat auch einen Gutschein für eine Ballonfahrt oder Bungeejumping…

Zum Wesen eines Gutscheines gehört, dass er für etwas steht, auf das man sich freuen kann. Ein Gutschein ist ein schönes Versprechen.

Zum Wesen eines Gutscheines gehört aber auch, dass man ihn oftmals auch nicht einlöst. Manchmal vergisst man es Manchmal hat man ihn nicht dabei, wenn man ihn nicht braucht. Manchmal spart man ihn solange auf, bis er fast schon seine Gültigkeit verloren hat……

Manchmal ist es aber auch so, dass man daran zweifelt, ob das versprochene Erlebnis wirklich so viel schöner ist, als die Vorfreude darauf.

Diese Erfahrung macht Jesus mit vielen Juden: In der heiligen Schrift der Hebräischen Bibel ist sein Kommen, das Kommen des Christus, angekündigt worden. Und die Juden haben seit Jahrhunderten auf sein Kommen gewartet.

Doch jetzt wo Jesus Christus da ist, glauben viele von ihnen, – und es sind gerade die, die sich in der Schrift am Besten auskennen-, gerade die glauben Jesus nicht, dass er der Messias ist! Sie erkennen den Christus nicht. Sie waren so in das Studium der Schriften vertieft und kennen jede Einzelheit, jede Verheißung, dass sie, man würde heute sagen, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Stattdessen diskutieren sie miteinander über die Gründe, weshalb Jesus nicht der Messias sein kann.

Ein Argument dabei ist, das Jesus aus Nazareth komme, und nicht, wie bei Jesaja vorhergesagt aus Bethlehem. Dabei haben sie nicht im Blick, dass man ja durchaus in der einen Stadt geboren werden kann und dennoch in einer anderen aufwächst. So wie es bei Jesus wohl auch der Fall war.

Aber vor allem: sie verstehen ihn nicht: Sie reden mit ihm und benutzen die gleichen Wörter, aber sie sprechen von völlig verschiedenen Dingen. Jesus spricht von Gott als seinem Vater, um die große Nähe auszudrücken und dass Jesus ohne Gott nicht wäre. Aber seine Gegenüber verstehen diese Aussage als Gotteslästerung. Jesus spricht vom Tempel, und meint damit den Ort der größten Gottesnähe, nämlich sich selbst. Und die Juden glauben, er meint den tatsächlichen Tempel.

Und auch seine Jünger sind vor Missverständnissen nicht gefeit: Jesus spricht von sich als dem Brot des Lebens, also etwas, das man unbedingt zum Leben braucht, aber seine Jünger denken bei Brot nur an die nächste Mahlzeit.

Man kann es den Menschen damals nicht verdenken. Jesus hat Worte aus dem Alltag der Menschen mit einem völlig neuen Sinn gefüllt. Doch auch wir werden vor Missverständnissen nicht verschont.

Vielleicht ist es bei uns nur andersrum: Es gibt christliche Vokabeln, die wir in jedem Gottesdienst, jeder Andacht hören, deren Wortsinn und Bedeutung uns aber im Laufe der Jahre abhanden gekommen ist.

Ich frage mich z.B., ob hier jeder Worte finden könnte, um z.B. das Wort „Gnade“ zu beschreiben. Keine Sorge, ich will hier keinen vorführen. Eigentlich wissen wir alle, was gemeint ist.

Aber dennoch bergen manche Worte die Gefahr, dass sie ihre Bedeutung verlieren und sie nur noch zu Hülsen ihrer selbst werden.

Das ist dann wie bei dem Gutschein: In der ersten Zeit hat man das Versprechen, für das dieser Gutschein steht, noch plastisch vor Augen. Man freut sich drauf, malt sich vielleicht aus, was man dafür bekommt. Aber je länger man ihn bei sich liegen hat, desto eher verliert er an Wert. Man sieht ihn an und fühlt vielleicht eher noch eine Verpflichtung: Ich muss ihn einlösen, bevor er ungültig wird. Denn so toll Gutscheine sein können, solange man sie nicht einlöst, sind sie nur ein Blatt Papier mit Worten darauf. Und um sie einlösen zu können, muss man wissen, wer dafür gerade steht!

Auf diesem Gutschein, den ihr habt, steht kein Name! Weder für wen es ist, noch von wem! Letztlich ist er einfach nur ein schöner Schein, solange nicht jemand dafür grade steht! So ist das auch mit der Gnade und der Liebe Gottes.

Es nutzt nix zu hören, dass es sie gibt, wenn man nicht weiß, wie man sie „Einlösen“ soll. Von wem dieser „Gutschein“ ist. Wenn man nicht weiß, wo derjenige ist, von dem man den Gegenwert bekommt.

Wenn ich von der Liebe Gottes erzähle, dann könnte man denken, ich stehe dafür grade. Damit bin ich überfordert. Ich kann nicht so toll und gütig und liebevoll sein, wie man sich das wünschen würde. Aber ich spreche ja auch nicht in meinem Namen. Sondern in Gottes Namen. Aber damit man das glaubt, dass Gott einem tatsächlich einen Gutschein über Liebe und Gnade geschenkt hat, muss man Gott kennen. Und alles Lesen und hören von Gott kann die eigene Beziehung zu Gott nicht ersetzen.

Und alle Predigten und Andachten der Welt, meine eigene eingeschlossen, sind kein Ersatz für ein einziges Gespräch mit Gott, für ein einziges aufrichtiges Gebet. Manchmal fehlen vielleicht die Worte für so ein Gebet. Dann erinnere ich mich an die Worte eines verzweifelten Vaters, der Jesus um die Heilung seines Sohnes bat: Er schrie: „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“

„Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“

Manchmal ist das vielleicht das Einzige, das wir sagen können. Ich möchte einen Moment stille werden.

<Stille>

Ich denke, ich bin euch noch eine Definition des Wortes Gnade schuldig. Um es kurz zu machen: Gnade ist ein Teil der Liebe Gottes. Eine Liebe, die die Gräben zwischen uns und Gott, die wir selber Schaufel, immer wieder zudeckt. Eine Liebe, die immer mit offenen Armen in der Haustür steht, egal zu welcher Uhrzeit. Wenn zwischen Gott und uns 100 km Luftlinie sind, dann geht Gott 99,999 km und wir brauchen nur einen einzigen Schritt zu machen. Das ist Gnade. Und diese Gnade Gottes und seine Liebe sei mit uns allen. Amen

Nun zu den Gutscheinen. Ihr habt zwei Möglichkeiten:

Ihr schreibt euren Namen hinein und gebt mir den Gutschein zum Unterschreiben. Dann lade ich euch zu einer Tasse Kaffee oder Tee ein.

Oder ihr überlegt euch einen Menschen, dem ihr diesen Gutschein schenken wollt, und unterschreibt selbst und verschenkt den Gutschein!

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